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13. März 2017
Antrag der Fraktionen CDU/CSU und SPD zu TOP 20 am 9. März 2017

Share Economy – Wachstumschancen der kollaborativen Wirtschaft nutzen und Herausforderungen annehmen

im Plenum zu Protokoll gegeben
Bis vor kurzem war es größter Wunsch, ein eigenes Auto zu besitzen.
Heute wollen viele Menschen das Auto gar nicht mehr besitzen, sie wollen es nutzen und mit anderen teilen, die das Auto auch nur nutzen wollen.

Nutzen oder Besitzen?

Diese Frage stellt sich auch für andere Güter.
Weitere Beispiele sind wie schon immer die Bücher und mehr und mehr Werkzeuge wie Bormaschine, Trennschleifer usw.

Und es gibt auch den Wunsch nach Unterstützung bei Reparaturen und im Haushalt, sogar ein Austausch gegen eigene Dienstleistungen.

Wie wird geteilt?

Nebst analoger Share-Läden, die vor allem in Großstädten zu finden sind, prägen Online-Plattformen und ihre Apps die „Teilwirtschaft“ - die „Share Economy“.

Besonders beliebt, gerade in Großstädten, das Car Sharing!
Die Wagen von Car2Go und DriveNow gehören in Berlin fest zum Stadtbild.

Und im Reisebereich ist Airbnb aus dem Business nicht mehr wegzudenken.

Immer mehr Menschen beziehen auch haushaltsnahe Dienstleistungen über Internetplattformen wie Book a Tiger oder Helpling.

Dass es sich bei diesen Entwicklungen um einen komplexen Vorgang handelt, zeigen nicht zuletzt die vielen verschiedenen Dinge, die man auf diverse Arten teilen kann.

Analog dazu gibt es zig verschiedene Handlungsansätze und Papiere, die aktuell zu den Themen Plattformökonomie und Teilwirtschaft kursieren.

Jeder Ansatz ist für sich genommen gut und richtig.
Doch anstatt in der Dunkelheit und mit der Hand Schmetterlinge fangen zu wollen, sollte man es mal bei Tageslicht mit einem Netz versuchen.

Viele grundsätzliche Fragen sind bislang nicht abschließend beantwortet worden, zum Beispiel:
  • Wie kann Share Economy einheitlich definiert werden?
  • Wie gestalten sich die Arbeitsbedingungen?
  • Wie viele Menschen sind davon betroffen?
  • Wer haftet?

    Bevor man mit dem Regulierungshammer draufhaut und womöglich den Nagel durch die Wand treibt, müssen diese offenen Fragen erstmal beantwortet werden.

    Was wir jetzt brauchen, ist erst einmal eine solide Datengrundlage.
    Denn wir wollen Rahmenbedingungen auf den Weg bringen, die weder die Plattformen zu sehr in ihrer Bewegungsfreiheit einschränken, noch die Verbraucherrechte der Nutzer aushebeln.

    Das kann auch helfen, die laufenden, teils sehr emotionalen Debatten über die verschiedenen regulatorischen Aspekte der Share Economy besser einzuordnen.

    Viele Diskutanten haben dabei noch die schwarz-weiß Brille auf.
  • Plattformen sind die Spielwiese prekärer Beschäftigung;
  • Jedwede regulatorische Eingriffe schränken die Wettbewerbsfähigkeit ein;
  • Plattformen sind der Altar auf dem die Handels- und die Dienstleistungsbranche, wie das Abendland sie bisher kannte, dem digitalen Wandel und dem Wunsch nach Fortschrittlichkeit geopfert werden.

    Nun mal die SIM-Karte im Handy lassen!
    Von „Entweder-oder“ ist hier nicht die Rede, es gilt ganz klar ein „Sowohl-als-auch“-Ansatz.

    Wirtschaftliche Chancen nutzen, beschäftigungsrelevante Risiken eindämmen!

    Bedenken und Fragen dazu haben wir in unserem Antrag aufgegriffen.
    Und schon jetzt können wir Veränderungen in der Branche beobachten.

    Ein Vorwurf, mit dem sich viele Plattformen konfrontiert sehen, lautet: Ihr Profit basiere auf einer modernen Tagelöhnerei.

    Dieser Vorwurf lässt sich nicht völlig entkräften, doch manche Firmen haben bereits einen Kurswechsel eingeleitet.

    Weg von der Vermittlung von Freiberuflern, hin zu sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und Bezahlung nach Tarif.

    Sie haben erkannt, dass sich Prozesssicherheit, Qualität und das Vertrauen der Kunden auf diese Weise schlicht besser gewährleisten lassen.

    In Zukunft wird die kollaborative Wirtschaft weiter wachsen. Mehr Menschen werden in diesem Bereich ihr Geld verdienen.

    Wir sollten diesen Prozess aufmerksam begleiten und dafür sorgen, dass gute Arbeit in diesem Wirtschaftsfeld der Zukunft möglich ist, auch ohne die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen einzuschränken.

    Wie in vielen anderen Bereichen wird auch hier die anfängliche Aufregung der Routine weichen.

    Vielleicht wird ein eigenes Auto irgendwann wirklich ebenso exotisch wie das Briketthandy von damals.