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06. Juli 2017

Neue Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: bis 2027 gut ein Viertel mehr Erbschaftsvolumen als bislang vermutet

In den kommenden Jahren wird in Deutschland gut ein Viertel mehr vererbt und verschenkt als bisher angenommen – insgesamt dürfte das Erbvolumen rund 400 Milliarden Euro pro Jahr betragen. Vor allem in wohlhabenden Haushalten wird deutlich mehr Vermögen als bislang geschätzt an die nächste Generation übertragen, zeigt eine von der Hans-Böckler-Stiftung geförderte neue Studie.

Die Nachkriegsgenerationen konnten in Deutschland über Jahrzehnte hinweg große Vermögen aufbauen, die sie in den nächsten Jahren an die Nachkommen vererben werden. Amtliche Statistiken darüber, wie viel genau vererbt oder verschenkt wird, existieren nicht. Das Statistische Bundesamt weist nur die steuerlich veranlagten Fälle aus, während über den Großteil der Erbfälle nichts bekannt ist. Auch zur Höhe der Übertragungen an steuerlich begünstigte Organisationen – beispielsweise Kirchen, Parteien oder gemeinnützige Organisationen – liegen in Deutschland keine Informationen vor. Ermitteln lässt sich die Höhe des Erbvolumens daher nur über einen Umweg, indem man das Vermögen der potenziellen Erblasser betrachtet und anhand dessen auf die künftigen Erbschaften schließt.

Die Forscher konzentrieren sich auf Personen ab 70 Jahren in Deutschland, da ab diesem Alter die Sterbewahrscheinlichkeit deutlich zunimmt. Das Vermögen, das die über 70-Jährigen voraussichtlich bis 2027 vererben werden, beträgt aktuell 1,3 Billionen Euro. Unter der Annahme, dass die Menschen in ihrer noch verbleibenden Lebenszeit weiter so sparen wie zuvor, erhöht sich das Vermögen der Studie zufolge bis 2027 auf 1,46 Billionen Euro. Nimmt man außerdem eine Wertsteigerung von jährlich zwei Prozent an, wächst das Vermögen sogar auf 1,68 Billionen Euro. Hochgerechnet auf die ganze Bevölkerung – es vererben und verschenken nicht nur über 70-Jährige – ergibt sich ein geschätztes Erbvolumen von bis zu 400 Milliarden Euro pro Jahr. Damit fällt es etwa 28 Prozent größer aus als in früheren Analysen geschätzt.

Ob sich aus dem steigenden Erbvolumen deutlich höhere Steuereinnahmen ergeben, ist laut Studie fraglich. Die Mehrzahl der Erbschaften kann demnach aufgrund hoher Freibeträge steuerfrei übertragen werden. Das gilt auch für sehr große Vermögen, die als Betriebsvermögen weitgehend steuerfrei bleiben. Die Forscher nehmen die Ergebnisse zum Anlass, eine Reform der Erbschaftssteuer anzuregen, um für mehr Chancengleichheit zu sorgen.

Zeit für eine gerechte Erbschaftsteuerreform

Im Regierungsprogramm der SPD ist festgeschrieben, dass sehr große Erbschaften höher besteuert werden. Mit einer umfassenderen Erbschaftsteuerreform wollen wir sicherstellen, dass endlich mehr Gerechtigkeit bei der Besteuerung der Erbschaften realisiert wird. Es ist uns bei der zurückliegenden Reform gelungen, zu vermeiden, dass auch sehr große Erbschaften gar nicht mehr besteuert werden. Die Union hat allerdings verhindert, dass wir hier schon zu ausgewogener Gerechtigkeit gekommen sind. Wir werden diese in der neuen Bundesregierung aufgreifen.