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13. Juli 2017
Gastbeitrag von David Ziegler

Der Alltag eines Abgeordneten – meine Erfahrungen aus dem Planspiel Jugend und Parlament im Mai

Den Deutschen Bundestag von innen erleben. Und das nicht als Tourist, sondern sich „frei“ in den Liegenschaften des Deutschen Bundestages bewegen und die Arbeit des Bundestages von innen erleben – das durfte ich vom 27. bis zum 30. Mai 2017 bei der Veranstaltung „Jugend und Parlament“.

Doch was heißt das konkret?

Die Teilnehmer schlüpften jeweils in die Rolle eines fiktiven Abgeordneten einer fiktiven Partei. In meinem Falle war das die Bürgerliche Bewahrungspartei (BBP). Wichtig ist zu wissen, dass diese „Person“ nichts mit meiner persönlichen politischen Einstellung zu tun hatte, sondern eine rein fiktive war. Ich bekam dabei die einmalige Chance, die politischen Prozesse, die wir immer nur in den Medien sehen oder im Unterricht theoretisch behandeln, hautnah zu erleben und wirklich zu verstehen. Diese Erfahrung hat mir Herr Dr. Schabedoth ermöglicht, der mich nach meiner Bewerbung nach Berlin eingeladen hat.

Zusammen mit 314 Jugendlichen wurde ich am 27. Mai im Paul-Löbe-Haus sehr freundlich empfangen. Nachdem mir meine Rolle zugeteilt wurde und ich alle notwendigen Infos für die Tage erhalten habe, ging die politische Arbeit direkt los.

Wir trafen uns in den Landesgruppen der Parteien und bereiteten uns auf das Planspiel vor, d.h. wir besetzten die nötigen Ämter und haben jede Menge Unterlagen gelesen, die wir für die am nächsten Tag stattfindende Fraktionssitzung benötigten. Dort wählten wir dann den Fraktionsvorstand. Mit dessen Wahl war die Vorbereitung abgeschlossen und wir konnten ganz konkret an die politische Arbeit gehen.

Ich war Mitglied des Integrationsausschusses und habe mich primär mit dem Gesetzesentwurf „Deutsch als Landessprache“ beschäftigt. Mit der Festschreibung von Deutsch als Landessprache sollte die Bedeutung der deutschen Sprache deutlich gemacht werden. Für unseren Integrationsausschuss stand die Integrationsfunktion der Sprache natürlich im Fokus. Nachdem wir uns einen ersten Standpunkt in der Arbeitsgruppe unserer Partei gebildet haben, mussten wir uns ausführlich auf die Diskussionen mit den anderen Parteien vorbereiten. Am nächsten Tag tagte nämlich der gesamte Integrationsausschuss, in dem auch Abgeordnete anderer Parteien saßen.

In der Ausschusssitzung war Politik dann wirklich hautnah zu erleben: lange Diskussionen über einzelne Wörter, strategisch geführte Gespräche und Kämpfe für die eigene Partei. Das Ergebnis des intensiven Vormittags war dann schlussendlich: nichts. Unser erarbeiteter Änderungsantrag wurde abgelehnt. Doch auch das war für mich eine Erkenntnis.
Demokratie ist wirklich ineffizient. Allerdings muss Demokratie für mich auch nicht effizient sein. Wenn man das so akzeptiert, kann man an einer lebhaften Demokratie problemlos teilhaben und sie ganz aktiv mitgestalten.

Das Finale bestand dann aus der Plenarsitzung. In dem großen Saal, den man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, saßen wir nun alle. Wir haben über drei fiktive Gesetzesentwürfe und einen Antrag der Bundesregierung beraten. Wir haben diskutiert, Reden gehalten und versucht, Kompromisse zu finden. Dieser Programmpunkt war unheimlich spannend und ich kann für mich sagen, dass ich nach der Plenarsitzung viele Fragen, die ich schon immer zu unserer Politik in Deutschland hatte, beantworten konnte.

Im Anschluss an die Plenarsitzung fand noch eine Podiumsdiskussion mit den „echten“ Fraktionsvorsitzenden bzw. ihren Stellvertretern statt. Hier konnte ich prüfen, ob unsere Erkenntnisse aus dem Planspiel auch wirklich auf den echten Betrieb übertragbar sind. Diese Vermutung hat sich auch bewahrheitet.

Abgerundet wurde die viertägige Veranstaltung dann noch mit einer Rede des Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Norbert Lammert, in der er uns dazu motivierte, Kraft, Energie und Zeit in politisches Engagement zu stecken, um mitgestalten und teilhaben zu können.

Die vier Tage waren unvergesslich. Ich habe spannende Menschen kennengelernt und viel Wissen sammeln können. Die Möglichkeit, den politischen Betrieb hautnah zu erleben, sich in den berühmten „Gebäuden der Macht“ zu bewegen, war eine tolle Erfahrung.

Bedanken möchte ich mich bei dem Deutschen Bundestag und den Organisatoren der Veranstaltung, die das alles möglich gemacht und uns in diesen Tage so toll begleitet haben.

Außerdem möchte ich mich natürlich noch herzlich bei Dr. Hans-Joachim Schabedoth bedanken, der mir durch seine Einladung die Teilnahme an diesem großartigen Programm ermöglicht hat. Ihn durfte ich auch in den vier Tagen persönlich kennenlernen. Ich habe ihn und seine Mitarbeiterinnen in seinem Büro besucht und spannende Gespräche geführt. Auch in dem Gespräch merkte ich wieder, wie unglaublich realistisch dieses Planspiel eigentlich gewesen ist.

Ich kann dieses Planspiel jedem, der sich für Politik interessiert, nur empfehlen. Es war eine tolle und enorm bereichernde Erfahrung.