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24. Juli 2017
Einfluss von Arbeitsmarktpolitik auf die Erwerbsarmut in 18 EU-Ländern

Arm trotz Arbeit: In Deutschland hat sich Erwerbsarmut seit 2004 verdoppelt

Immer mehr Menschen in Europa sind arm, obwohl sie arbeiten. Am stärksten stieg die sogenannte Erwerbsarmut in den vergangenen Jahren in Deutschland: Zwischen 2004 und 2014 hat sich der Anteil der „working poor“ an allen Erwerbstätigen im Alter zwischen 18 und 64 Jahren verdoppelt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.

Der Anteil der armutsgefährdeten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der EU betrug im Jahr 2014 rund zehn Prozent – gemessen an der erwerbstätigen Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 64 Jahren. Obwohl sie regelmäßig arbeiten, müssen diese Menschen mit weniger als 60 Prozent des mittleren bedarfsgewichteten Einkommens in ihrem Land auskommen. Für Deutschland bedeutet das: Ein Alleinstehender, der weniger als 869 Euro netto im Monat verdiente, war im Jahr 2012 armutsgefährdet. Bei einem Haushalt mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern unter 14 Jahren lag die Armutsschwelle bei 1.826 Euro.

Am höchsten ist der Anteil armen oder armutsgefährdeten Erwerbstätigen in Rumänien mit 18,6 Prozent, gefolgt von Griechenland mit 13,4 Prozent und Spanien mit 13,2 Prozent. Mit 4,5 Prozent oder weniger haben Belgien, die Tschechische Republik und Finnland die geringsten Erwerbsarmutsquoten. Deutschland lag mit 9,6 Prozent genau im Durchschnitt der EU-Länder.

In Deutschland stieg die Beschäftigungsrate zwischen 2004 und 2014 stärker als in jedem anderen europäischen Land, andererseits gab es dort auch den höchsten Zuwachs an Erwerbsarmut zu verzeichnen. Wie passt das zusammen? Die positive Entwicklung auf dem deutschen Arbeitsmarkt beruht zu einem großen Teil auf einer Zunahme an Teilzeitbeschäftigung, häufig im Dienstleistungsbereich und im Niedriglohnsektor. Durch die Kürzung einiger staatlicher Leistungen und verschärfte Zumutbarkeitsregelungen ist der Druck auf Arbeitslose gestiegen, möglichst schnell eine Arbeit zu finden und auch Jobs mit schlechter Bezahlung oder niedriger Stundenzahl anzunehmen.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass eine Kombination von auskömmlichen Lohnersatz- und Transferleistungen der beste Weg ist, um Erwerbsarmut zu bekämpfen. Der Mindestlohn sei demnach ein erster Schritt zur Reduzierung der Armutsgefährdung von Erwerbstätigen. Weitere Maßnahmen zur Eindämmung des Niedriglohnbereiches müssten folgen. Möglichkeiten der beruflichen Qualifikation und Weiterbildung sollten ausgebaut und für atypisch Beschäftigte beziehungsweise für Beschäftigte im Niedriglohnbereich geöffnet werden, empfehlen die Wissenschaftler. Hartz-IV-Leistungen sollten erhöht, Sanktionen und Zumutbarkeitsregeln entschärft werden.

Die vollständigen Ergebnisse der Studie stehen zum Download zur Verfügung.

Ziel der SPD ist es, dass alle von ihrer Arbeit gut leben können und auch im Falle einer vorübergehenden Arbeitslosigkeit über ein auskömmliches Einkommen verfügen. Unsere Ansätze und Maßnahmen für ein gerechtes und zukunftsfestes Deutschland lassen sich im Regierungsprogramm nachlesen. Aber auch hier auf der Homepage wird es in den kommenden Wochen weitere Informationen zu Kernbotschaften aus dem SPD-Regierungsprogramm geben.