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Hochtaunus, 12. September 2017

Alternative Taunusrundfahrt

Auf den Spuren der Nazis im Hochtaunus
Das Kransberger "Schloss"
Das Kransberger "Schloss"
Giftgasschleuse im Bunker unter dem Kransberger Schloss
Giftgasschleus im Bunker unter dem Kransberger Schloss
im unvollendeten Fluchtstollen unter dem Kransberger Schloss
im unvollendeten Fluchtstollen unter dem Kransberger Schloss
Die Frankfurter IG Metall-Senioren hatten mich eingeladen, in meinem Wahlkreis an einer alternativen Taunusrundfahrt teilzunehmen. Keine Vergnügungsreise, sondern eine, bei der man viel über die unsägliche Geschichte der Nazizeit erfahren konnte. Als Referent stand uns Bernd Vorlaeufer-Germer vom DGB („Arbeit und Leben“) zur Verfügung, der sich seit vielen Jahren bereits mit dem beschäftigt, was im Hochtaunuskreis aus diesen Jahren über die nationalsozialistischen Aktivitäten zu erfahren ist.

Das Führerhauptquartier als Teil des Komplexes „Adlerhorst“ mit seinen ausgedehnten Bunkeranlagen in Ziegenberg/Wiesental und das als Unterkunft für einige Nazigrößen umgebaute Schloss Kransberg standen ebenso auf dem Programm wie der Hasselborner Tunnel und der ehemalige Flugplatz Wilhelmsdorf/Merzhausen.

Bizarr sich vorstellen zu müssen, wie die Spitzen der Nazis noch Ende 1944 im Rittersaal des Kransberger Schlosses ausufernd ihre Gelage abhielten, während einige Meter unter ihnen Zwangsarbeiter aus ganz Europa in den harten Taunusquarzit Fluchtstollen versuchten zu hauen für die große Bunkeranlage unter dem Burghof. Wir konnten einen der Stollen, die zig Meter in den Fels getrieben worden waren besichtigen, auch den Platz hinter dem Schloss, wo ein kleines Lager für die knapp 150 KZ-Häftlinge erbaut worden war.

Das Führerhauptquartier wurde nie ganz fertig gestellt. Die US Army kam schneller nach Kransberg als gedacht. Die Besatzungsmächte verließen diesen Ort erst Jahre später. Nach dem Krieg diente es den Briten als Vernehmungszentrum und auch die amerikanischen Streitkräfte und später die Bundeswehr nutzten die Anlage ebenfalls für Fernmeldeaufklärung.

Heute ist es im Besitz eines Unternehmers, Sebattin Özcan, der das Schloss beständig renoviert und Tagungsmöglichkeiten ebenso anbietet wie Feierlichkeiten und Konzerte von Rang.

Der „Hasselborner Tunnel“ wurde in den Jahren 1910 bis 1912 gebaut. Er ist insgesamt 1.320 Meter lang. Ab Sommer 1939 wurde in seiner Nähe in Ziegenberg/Wiesental das Führerhauptquartier „Adlerhorst“ gebaut. Ende 1939 der Tunnel zum „Führertunnel“ erklärt, d. h. in ihm sollte bei Bedarf der Sonderzug von Hitler bombensicher abgestellt werden können.

1942 entstand das größte Außenkommando des "Arbeits- und Erziehungslagers" Heddernheim am Rande des Ortes Hundstadt mit 150 bis zu 300 Häftlingen in einem ehemaligen Lager des Reichsarbeitsdienstes (RAD). Diese hatten den bestehenden Tunnel auszubauen. Ab August 1944 lief die Produktion von Propellern und Komponenten für Luftschrauben, auch schon solche für Düsenflugzeugmotoren an. Knapp 1.600 Menschen waren dort beschäftigt. Ohne die Produktion dort wäre die Luftwaffe weit früher zusammengebrochen.

Am Arbeitslager Hundstadt und dem ehemaligen Munitions- und Treibstofflager dort ging es weiter zur Erdfunkstelle Usingen, heute Satellitenverbindungsanlage in alle Welt, während des letzten Kriegsjahres Standort für das Jagdgeschwader Richthofen, das hier zur Verteidigung des Rhein-Main-Gebietes und bei der Ardennen-Offensive eingesetzt werden konnte.

Zu unser aller großem Glück kamen die Alliierten schneller voran und beendeten die 1000-jährige Schreckensherrschaft nach knapp 13 Jahren.